Jackie

100 Minuten | FSK 12

Der chilenische Filmemacher, von jeher ein Freund feinsinniger Metaerzählungen, liefert uns in seinem ersten englischsprachigen Film nicht "die ganze Jackie" und noch nicht einmal "eine Jackie", sondern eine facettenreiche Annäherung voller Widersprüche und Ungereimtheiten, voller Leerstellen und Spekulationen. Jackie, hingebungsvoll und nuancenreich interpretiert von Natalie Portman (die damit definitiv ihren 2. Oscar verdient hätte), erscheint mal unsicher und naiv, mal clever und raffiniert, mal stark und gefasst, mal neurotisch und depressiv.

Jackie beschränkt sich auf die gut zwei Jahre von 1961 bis 1963, in denen die Kennedys das Weiße Haus zu einer kulturellen Hochburg mit Promifaktor machten. Doch auch diese Phase skizziert der Film nur kryptisch. Im Zentrum steht nicht die umfassende Historie, sondern der Mikroblick auf jene Woche, die auf die tödlichen Schüsse von Dallas folgte: auf die Vereidigung Lyndon B. Johnsons zum neuen Präsidenten, während die fassungslose Jackie immer noch das blutverschmierte Chanel-Kostüm trägt, auf ihren Abschied vom Weißen Haus, die komplizierte Planung der Beerdigungszeremonie, die zugleich Politikum, Sicherheitsrisiko und feministisches Statement ist. Larraín erkundet in diesen Szenen vor allem das Wesen der Trauer angesichts eines derart harten Schicksalsschlags. Dabei fokussiert er sich voll auf seine Protagonistin, der kaum an objektiver Geschichtsdarstellung gelegen ist, sondern eher schon an praktizierter Legendenbildung.

Credits

2016 | USA, Chile

R: Pablo Larraín | B: Noah Oppenheim | K: Stéphane Fontaine | D: Natalie Portman (Jacqueline Kennedy), Peter Sarsgaard (Robert Kennedy), Greta Gerwig (Nancy Tuckerman), Billy Crudup (Theodore H. White), Max Casella (Jack Valenti) 

Trailer