Amrum
Mi | 03.12.2025 | 20.00 UhrFatih Akin erzählt ungewohnt leise und behutsam, aber auch sehr präzise, ganz ohne den ungestümen Drive, der durch die meisten seiner Filme pulsiert. Das hat damit zu tun, dass er sich hier in die Kindheit seines Freundes und Mentors Hark Bohm einfühlt und zugleich die Gegenwart in Deutschland mit der erstarkenden AfD mitschwingen lässt. Die langen Einstellungen lassen dabei viel Luft für die Naturschönheit Amrums.
Nanning wird kurz vor Kriegsende von den Amrumer Inselbewohnern als „Festländer“ beschimpft, auf gleicher Ebene mit den Geflüchteten aus Schlesien und Ostpreußen, die gerade scharenweise vor den Russen fliehen. Dass seine Familie über neun Generationen in der Inselgeschichte und der Tradition der Walfänger verwurzelt ist, interessiert da keinen. Es ist schwer für den Zwölfjährigen, sich in den Tagen vor und nach der Kapitulation einen Weg durchs Dickicht von Nazi-Propaganda, Schweigen, Verschleierung und Lügen zu bahnen.
Credits
2025 |
Deutschland
Regie: Fatih Akin
Buch: Hark Bohm
Kamera: Karl Walter Lindenlaub
Darsteller:innen: Jasper Billerbeck, Laura Tonke, Diane Kruger, Matthias Schweighöfer